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Wie im HimmelPredigt zum Film „Wie im Himmel" [Offb. 21]

Liebe Gemeinde!

Wie im Himmel. War das wie im Himmel? Was ist da neu geworden? Welche Tränen wurden getrocknet? Und wo war Gott? Und wo der Himmel? Ja, irdisch ist es zugegangen. Und doch gibt Kay Pollak seinem Film den Namen Wie im Himmel. Spurensuche. Suchen wir ihn doch einfach gemeinsam, den Himmel im Film - und vielleicht nicht nur dort!

Beginnen wir mit dem Satz des Managers: Wir sind jetzt ganz oben! Da müsste eigentlich der Himmel sein, ganz oben, oder? Erfolg ohne Ende. Er hat´s geschafft. Berühmt ohne Ende. Er hat ausgesorgt. Doch die Unsicherheit ob das wirklich so ist, kommt von Daniel selbst: Mein Traum war es, Musik zu machen, die die Herzen der Menschen öffnet. Und dann kommt ganz oben der Infarkt. Interessant die Diagnose des Arztes in ihrer Doppeldeutigkeit: Ihr Herz ist völlig erschöpft! Beginnt der Weg zum Himmel etwa mit einem erschöpften Herzen?

Und wer kommt dann in dieses vergessene schwedische Dörflein. Zurück an den Ort, von dem er weggeprügelt wurde. Ein weltberühmter Sonderling, verunsichert und irgendwie beziehungsunfähig. Ein Augenschmaus ist sein neues Domizil: Die alte Volksschule. Und dann tanzt er barfuss im Schnee. Beginnt das Herz wieder zu Kräften zu kommen? Muss man manchmal weit zurück gehen in die eigene Vergangenheit, um seinen Weg in die Zukunft zu finden? Das ist das Prinzip des Films. Daniel geht zurück und bearbeitet die Altlasten seines Lebens. Und dann geht es zu wie beim Domino. Das wohl geordnete und klar geregelte Leben im Dorf kommt in Bewegung. Es kracht im Gebälk - und wie! Der Weg zum Himmel scheint dynamisch zu sein, kraftvoll. Und das Neu-Machen beginnt.

Dann kommt der Pfarrer. Nett, dass er Daniel willkommen heißt. Und da könnte der Himmel doch echt ein Thema werden. Aber mein Berufsstand kommt nun gar nicht gut weg. Der Pfarrer Stig Berggren ist im Setting quasi der Gegenspieler von Daniel Dareus. Der eine will etwas Neues, der andere will, dass es bleibt wie es ist. Der eine träumt davon, die Herzen der Menschen zu öffnen. Der andere sollte das als seine ureigenste Aufgabe ansehen. Denn das Herz verbindet uns mit Gott. Das Herz gibt dem Glauben Raum. Das Herz gibt Gott Raum. Und wenn es um etwas geht in diesem Film, dann um die Herzen der Menschen. Um das, was sie wirklich sind. Und um das, was sie frei macht, erlöst. [Schneehase]

Doch zurück zur ersten Begegnung mit dem Pfarrer. Viel Oberflächlichkeit, eine Bibel (ð aus alter Gewohnheit) und die Frage: Was wollen Sie hier tun? Und als Antwort dieser wunderschöne Satz: Ich habe vor, zuzuhören! Der Starmusiker wechselt die Seiten. Er wird zum Zuhörer. Der Pfarrer aber hat dafür wenig Zeit. Er hört nicht, was Daniel wirklich sagt. Er nimmt nicht wahr, wie verunsichert dieser Mensch ist, der ihm gegenüber steht. Er sieht nicht den zurück gekehrten Jungen, sondern den weltberühmten Dirigenten. Zuhören scheint wesentlich zum Weg in den Himmel zu gehören, Herr Pfarrer!

Dann die erste Begegnung mit dem Kirchenchor. Aus den Orchestersälen der Welt in das kleine Gemeindehaus. Eher mickrig, was es da zu hören gibt. Aber: Vieles war sehr schön! Aber auch die erste Begegnung mit dem Engel des Films - haben Sie ihn entdeckt? Erinnern Sie sich an die Szene, als Lena Daniel im Engelskostüm über den Weg läuft? Ja, Lena ist der Engel im Film! Und in der Schule ist sie immer bei ihm, an die Wand gemalt vom Großvater. Jetzt wird´s richtig himmlisch. Der Engel ist da.

Und Engel sind biblisch ja immer Boten Gottes. Sie haben etwas zu sagen und zu tun. Sie stehen für die Gegenwart, die Nähe Gottes. Da kommt Gott ins Spiel, vermittelt und verklausuliert, aber doch auch wieder ganz traditionell. Jetzt hat Daniel seinen Engel. Jetzt ist er nicht mehr allein auf dem Weg zu seinem Traum. Jetzt ist er nicht mehr allein auf dem Weg zum Himmel. Der Himmel hat ihn quasi schon gefunden.

Und er wird Kantor. Trotz des lausigen Gehalts. Die erste Chorprobe: Alles beginnt mit dem Hören. Alles ist schon da. Das ist das große Geheimnis. Wir müssen die Musik nur von da oben holen. Da oben. Und dann suchen Sie ihren eigenen Ton, auf dem Boden liegend. Befreites Lachen. Und der Kreis: Wir wollen zur Quelle gehen! Und die Quelle ist ein altes biblisches Bild: Du bist die Quelle des Lebens und in deinem Licht sehen wir das Licht [Ps 36,10]. Die Quelle des Lebens, weniger soll´s nicht sein. Aufbrechen dorthin, wo das Leben frisch und ursprünglich ist. Aufbrechen dorthin, wo das Leben in Harmonie mit seinem Ursprung ist. In christlicher Diktion: Aufbrechen zu Gott.

Aber zuerst klappt´s nicht. Ein bellender Hund, Arnes ewig klingelndes Handy. Und dann: Kaffeepause. Daniel mault: Es geht um uns, um das was uns fehlt, um unser Leben. Aber er, der zuhört, hört: Kaffeepausen sind auch wichtig! Haben Sie die Kaffeepausen im Film mal gezählt? Ich auch nicht, aber da kommt ganz schön was zusammen. Was wichtig ist braucht eben seine Zeit! Kaffeepausen und Himmel scheinen sich nicht in die Quere zu kommen.

Und dann geht´s rund. Das Neue schafft sich Raum und es gibt Tränen. Offenbar wird auf dem Weg in den Himmel gelacht und geweint. Ehrlich und traurig ist der Weg. Ein Weg der Erkenntnis und Selbsterkenntnis. Ein schöner Weg doch kein einfacher Weg. Und auch für Thore ist Platz im Himmel. Mit seiner Behinderung und trotz Arnes großen Plänen. Und ausgerechnet Thore kennt die drei Worte, die Daniel nicht sagen kann: Ich liebe dich! Von wegen Trottel. Nicht umsonst hat Lena auch bei ihm die Flügel schon gesehen.

Die Ehrlichkeit, die Echtheit beginnt um sich zu greifen. Ist es vernünftig, wegzusehen, wenn Gabrielle verprügelt wird? Nur weil es jeder weiß? Und keiner was tut. Weil das eben keinen was an geht. Ist das vernünftig oder einfach nur feige? Und die Erkenntnis von Siv: Arne, Du solltest dich schämen, jemanden auszulachen, nur weil er ehrlich ist. Sei du ehrlich, dann weißt du, wie schwer das ist!

Oder die Liebeserklärung nach 60 Jahren. Oder Lenas Liebe zum Landarzt und die Enttäuschung die sie nie verwunden hat. Und wieder: Alle haben es gewusst und niemand hat ihr etwas gesagt. Und zuletzt Holmfried, der sich für Gabrielle einsetzt und nach 30 Jahren nicht mehr der Fettsack sein will. Gesprengte Fesseln. Freiheitserfahrungen. Auszug aus dem Land der Sklaverei in dem man nicht sein darf wer man ist.

Und die wohl größte Befreiungserfahrung des Films wollen wir uns gemeinsam ansehen und anhören:

Filmszene: Gabriella (ð 109:32-113:40)

Mein Vertrauen liegt unter den Worten. Es hat mir ein kleines Stück gezeigt vom Himmel, den ich noch nicht gefunden habe. Und mein Leben gehört mir. Und der Himmel, den ich suche, finde ich irgendwo. Denn ich will spüren, dass ich mein Leben gelebt habe!

Das Faszinierende ist: Sie singen wieder und wieder gemeinsam. Sie schreien sich die Wahrheit ins Gesicht - aber sie hören nicht auf miteinander zu singen! Ohne das Wort je zu benutzen wird hier in Szene gesetzt, was die Bibel Vergebung nennt. Sich und Anderen die Wahrheit zumuten - aber die Gemeinschaft nicht aufkündigen. Wie im Himmel.

Und geweint wird. Fast alle weinen sie irgendwann. Inger und Stig, Conny und Gabriella, Holmfried und Arne. Fast stereotyp bedeutet das Weinen die Wende. Die Tränen sind Reaktion auf die Wahrheit. Auf die Wahrheit über sich selbst. Bittere Tränen. Verzweifelte Tränen. Doch im Singen, im gemeinsamen Klingen und im aufeinander hören werden sie getrocknet. Faszinierend. Oder eben einfach nur schön und tief und himmlisch!

Dann eskaliert die Situation. Das Alte und das Neue krachen frontal aufeinander. Der Pfarrer schmeißt den Kantor raus und stößt Worthülsen als Begründung aus. Es sind gewisse Dinge vorgefallen. Kein Mensch versteht das. Und dann zieht der Kirchenchor aus der Kirche aus in die Volksschule. Was, wenn das Leben, das Neue, die Suche nach dem Himmel in der Kirche keinen Raum mehr findet? Was, wenn die Kirche die Spannung zwischen den Traditionen und dem Leben auflöst. Und das Leben außen vor bleibt. Kann Kirche das. Kann Kirche Jesu Christi das? Sich selbst im Angesicht Gottes zu hinterfragen gehört zum Wesen der Kirche. Selbstgerechtigkeit nicht. Ecclesia semper reformanda. Die Kirche muss bereit sein sich zu ändern, damit Gott in neuen Kontexten zur Sprache kommen kann. Gott muss sich nicht ändern.

Vieles wäre noch zusagen. Gott vergibt uns nicht - weil er uns erst gar nicht verdammt. Amazing grace, how sweet the sound, that saved a wretch like me.

Doch wo war er nun, der Himmel. Viele unserer christlichen Traditionen sind im Film verarbeitet. Schuld und Vergebung sind ein zentrales Thema. Aber auch Freiheit und Feigheit, Liebe und der neue Anfang. Und das alles ohne klassische christliche Begrifflichkeit. Aber diese Themen sind eben die Eckpunkte gelingenden Lebens. Sie klären, wo Himmel ist und wo nicht!

Ja, der Himmel. Für mich bekommt er in diesem Film weihnachtliche Konturen. Der Himmel kommt auf die Erde. Im Leben der Chormitglieder wird er greifbar. Als Ehrlichkeit und Offenheit, als schmerzliche Selbsterkenntnis und Vergebung. Als Lachen und Weinen. Als Hören und Singen. Und die Eintrittskarte sind die drei Worte: Ich liebe dich!

Am Ende kann auch Daniel die drei Worte sagen. Und sein Traum erfüllt sich: Sie lieben mich und ich liebe sie. Die Herzen sind geöffnet. Die verschiedenen Lebens-Töne zur Harmonie geworden. Befreite Menschen, die gemeinsam singen. Bilder vom Himmel. Und Kaffeepausen sind auch wichtig. Bilder von Gottes neuen Menschen!

The Power Plant ð CD Nr. 3 Amen